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Geschichte von Bordighera

Geschichte von Bordighera

Entscheiden Sie selbst, ob Sie chronologisch vorgehen wollen (ab dem fünften Jahrhundert v.Chr.) oder direkt in eine Zeitstufe einsteigen möchten (klicken Sie auch die “Schreibmaschine” und die Fotosammlung an). In den Abschnitten finden Sie Symbole/Notizen zu den einzelnen Entwicklungsphasen Bordigheras. Klicken Sie entweder das Datum oder die nebenstehenden Symbole an, um weitere Informationen zu erhalten oder zu diesem Menü zurückzukehren.

5. Jhd. v.Chr.


Ligurische Stämmen besiedeln die Berge und leben von Ackerbau und Viehzucht. Zwei dieser Siedlungen fanden sich im Territorium von Bordighera, eine weitere im Gebiet des Montenero und eine letzte bei Sapergo. Sapergo wurde 1970 entdeckt, dort fand man vorromanische Mauerreste, solche aus Römischen Zeit und jüngere Funde, die sich auf eine Zeitspanne im Mittelalters datieren lassen.

Römische Zeit


Die Julia Augusta Straße wurde im 13. Jhd. v.Chr. erbaut und verband Rom mit den gallischen Gebieten. Ihre Strecke gleicht in etwa der heutigen Via Romana. Die Entdeckung eines römischen Grabes im Jahr 1955 (heute im Bicknell Museum) zeugt von dieser Besiedlung; wahrscheinlich handelte es sich um eine römische Agrarsiedlung o.ä. Niederlassung, der damaligen Stadt Albintimilium (heute Ventimiglia) untergeordnet.

411


Der Eremit Ampelio – so die Legende – verließ Ägypten und landete an der Küste des heutigen Bordighera. Sein wichtigster Akt zur Kultivierung des Landes: Er pflanzte eine Vielzahl von Dattelpalmen. Daher wird das Dorf Bordighera bald die “Königin der Plamen” genannt und viele Reisende lassen sich von seinem exotischen Flair bezaubern. Ampelio soll in einer Höhle auf den Klippen des heutigen Kap Ampelius gelebt haben, auf dem später eine Kirche errichtet wurde.

1204


Nach einer päpstlichen Bulle vom 29. November 1204 stellt Papst Innozenz III. die Kirche von Sant´Ampelio unter die Obhut des Klosters Montmajour von Arles.

1296


Mit einem Edikt erklärt Papst Bonifazius VIII. die Kirche als “monastrium Sancti Ampelii subtus Burdigheta” . Der Name Burdigheta wird vom Französich-Provenzalischen (bordigue) abgeleitet. Das Wort bedeutet “Wehr” oder `eine künstlich angelegte Lagune, durch ein (Schilf-)Rohrwall geschützt´, die zum Fischfang genutzt werden kann. Eine solche Anlage hatten die Fischer, die mit ihren Familien den Hügel über Kap Ampelio bewohnten, auch damals bereits eingerichtet.

1470


Am 2. September 1470 versammeln sich 32 Familien aus Castrum Sancti Nicolai – heute BORGHETTO SAN NICOLÒ, Fraktion Bordigheras – in ihrer Dorfkirche und entscheiden sich `la villam alias existentem in capite Burdighete´ neu zu errichten. De facto ist dies der Beginn der eigentlichen Besiedlung Bordigheras. Auf dieser Versammlung beruht also die Gründung Bordigheras als gefestigte Ortsanlage auf dem Hügel oberhalb der Kirche am Kap Ampelio.

1543


Die türkische Armee belagert Nizza. Während einer ihrer Plündertouren landen Piratenschiffen am Strand von Aziglia, östlich von Bordighera. Während ihrer Raubzüge in Seborga und Coldirodi verschleppen sie Männer, Frauen und Kinder.  

1686


Am 21. April lösen sich 8 Dörfer aus ihrer Abhängigkeit von Ventimiglia und gründen die “Freie Acht-Dörfer-Republik”. Dieser friedlichen Sezession gehörten Camporosso, Vallebona, Vallecrosia, San Biagio, Sasso, Soldano, Borghetto und Bordighera an. Bis zur napoleonischen Zeit blieb diese Vereinigung autonom.

1797


Die Demokratische Ligurische (Napoleonische) Republik entsteht. Bordighera gehöhrt der Bezirksverwaltung “Palmenbezirk”, (der von Taggia bis Ventimiglia reicht) an. Bezirkshauptstadt war San Remo.

1815


Mit dem Wiener Kongress wird Ligurien vom Königreich Sardinien annektiert. Bordighera gehört jetzt der Region Nizza an und ist Provinz von San Remo.

1818


Durch die von Napoleon errichtete Straße die Genua mit Paris verband - La Grande Corniche – verbessern sich deutlich die Reisewege, die zuvor fast ausschließlich aus Maultierwegen bestanden. Bis dahin reiste man entweder auf dem Rücken des Esels oder mit Hilfe einer Sänfte, beides war jedoch beschwerlich und auch gefährlich.

1860


Giovanni Ruffini schreibt während seines politischen Exils in England “ Il Dottor Antonio”. Der Roman – welcher Bordighera zum Schauplatz hat – sorgt dafür, das der Ort und sein Charme in ganz England bekannt wird. Diese Veröffentlichung löst eine Reisewelle an die Riviera aus. Im Jahr 1861 kommt sogar der Premierminister Englands Lord Russel nach Bordighera und gastiert im Hotel D´Angleterre. Er gilt als Pionier der Tourismuswelle nach Bordighera.

1872


Der Straße folgte die Eisenbahn und mit ihr wohlhabende Familien aus Frankreich, England, Russland, Österreich und Deutschland. Sie reisten mit einem der “Grand Express” - internationalen Fernzügen, die ganz Europa durchquerten, wie zum Beispiel der berühmte Petersburg-Warschau-Wien-Cannes Express, welcher in Bordighera halt machte. Damals gab es fast ausschließlich nur den Wintertourismus, der im Frühling endete, erst viel später entstand der Sommer-/Badetourismus.  

1887


Der französiche Schriftsteller Stéphen Liégeard rühmt Bordighera folgendermaßen (und trägt zu einem weiteren Besucherstrom, diesmal aus Frenkreich, bei): “ Die noblen Hotels von Bordighera garantieren einen Service auf sehr hohem Niveau. Bordighera selbst ist ein Ort, an den man unbedingt zurückkehren muss.”

1903


Edmondo De Amicis widmet eine Seite seiner geistreichen “Pagine Allegre” (“Heitere Blätter”) der Stadt und betitelt sie als “Das englische Paradies”. Während der Winterperiode lebten hier manchmal um die 3000 Engländer und es kommen viele Prominente, nicht zuletzt die Königin Margherita selbst, ein Ereignis, das in Bordighera in kultureller Hinsicht viele Spuren hinterlassen hat.

Heute


Bordighera ist heute eine Kleinstadt mit angenehmer Atmosphäre, nicht nur für Touristen, sondern auch für ihre Einwohner selbst, die hier ein Fleckchen Erde bewohnen, das sich vieles aus der vergangenen Zeit bewahren konnte. Die Umgebung ist nicht so stark wie mancherorts besiedelt, so dass sich Bordighera viele kleine grüne Inseln und Orte zum Verweilen erhielt. Die Altstadt, das architektonische Erbe der Engländer, die Bräuche der Westküste Liguriens – all das trägt dazu bei, dass Bordighera dem Besucher in seiner Gesamtheit historisch und kulturell, aber vor allem als Erholungsgebiet vieles zu bieten hat. Dazu gehören vor allem die Bibliothek, das Internationale Institut für Ligurische Forschung und das Kulturzentrum der Chiesa Anglicana. Bordighera wird dem Besucher nicht nur als Badeort, sondern auch als Ort einer möglichen Entdeckungsreise auf den Spuren bedeutender Persönlichkeiten, die hier einen Teil ihres Lebens verbrachten, wie Monet, Bicknell, Garnier oder Dickens, in Erinnerung bleiben.

(Übersetzung von Sonia Goerlich)

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