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Reisewege 2

Reisewege

1B. SEHENSWÜRDIGKEITEN: DIE SZENISCHE KRIPPE


In einer Sammlung von plastischen Bildern im “katalanischen Gibsstil” sind die wichtigsten im Evangelium überlieferten Ereignisse im Leben Jesus Christus dargestellt. Diese DIORAMA (plastische Gegenlichtdarstellung) sind nach einer Idee von Pater Alberti Alfonso und Cav. Angelo Stefanucci, Vorsitzender des Italienischen Verbandes der Krippenfreunde, entstanden. Die Installation wurde vom katalanischen Künstler Jòan Marì Oliva entworfen und gebaut. Er arbeitete zwei Monaten lang oft bis in die Nacht hinein. Die Diorama stellen ein Novum in Ligurien sowohl der Motivik als auch der Darstellungsform wegen dar. Die Themen erstrecken sich über die Geburt Christi bis zum Kalvarium (Kreuzweg Christi). Das Werk wurde in diversen Abschnitten fertig gestellt. Die ersten vierzehn Episoden wurden im Jahr 1969, zwei im Jahr 1972, drei weitere im Jahr 1973 und vier im Jahr 1975 gefertigt. Jede Tafel ist vollständig aus farbigem Gibs, die Terracotta-Figuren (2 bis 30 cm. hoch) sowie die anderen Elemente sind Unikate von Handwerker aus Barcellona. In der Tat sind diese Form von Diorama in Spanien - und vor allem in Katalonien - weit verbreitet. In diesen Inszenierungen durfte natürlich nicht der Verweis auf die unsrige, ligurische Erde fehlen. So ist die Szene der “Volkszählung zu Nazaret”  in die Nachbildung des sehr malerischen Domenikanerklosters in Taggia inszeniert, die “Herbergssuche Maria und Josefs” in die der Altstadt von San Remo. Um Bordighera zu würdigen, wurde in einem Bild die Blumenriviera mit der Kapelle von Sant´Ampelio dargestellt. Schäflein und Seemänner in den antiken Trachten Bordigheras (alten Fotografien und Drucken nachempfunden) vervollständigen di Szene. Die Figuren dieser Szene stammen vom Italiener Antonio Mazzeo di Lecce. (aus:  “Il Presepio Poliscenico”, Broschüre)

Die Krippen der Provinz Imperia

Die Krippe ist ganzjährig aufgebaut und kann täglich besucht werden.
Adresse: Chiesa Madonna dei Fiori – Via Pasteur
Öffnungszeiten: Jeden Tag von 15.00-17.00 Uhr
Kontakt: 0184-254055
Busverbindung: Stündlich von der Piazza della Stazione (Platz vor dem Bahnhof Bordighera)

2B. SEHENSWÜRDIGKEITEN: INSTITUT FÜR LIGURISCHE STUDIEN DAS MUSEUM/DIE BIBLIOTHEK CLARENCE BIKNELL


Das mittelalterliche Gebäude (vgl. Foto), wurde im Auftrag des Engländers Clarence Bicknell im Jahr 1886 errichtet und gilt als erstes Museum im Gebiet des östlichen Liguriens. Das Bibliothekinnere wurde als ein einziger großer Saal konzipiert, der als Leseraum dient. Ihm sind kleine Nebenräume zugeordnet, die internen Zwecken dienen. Dort werden über 85.000 Bücher und 1300 Periodika aus den Bereichen Archeologie, Lokalgeschichte und Kunst aufbewahrt. Außerdem befindet sich dort Abdrücke, Fotos und Skizzen der über 14.000 prähistorischen “Graffitis”, welche Bicknell auf dem Monte Bego entdecken und bergen konnte. Es gibt auch eine Sammlung von Funden aus dem 2. und 3. Jahrhundert n.Chr., eine Sammlung historischer Fotos  und eine wichtige Schmetterlingsammlung aus dem 19. Jahrhundert. Im Garten des Museums befinden sich einige römische Platten aus der Siedlung Albintimilium und es wächst hier ein spektakulärer Fikus Magnolioides. Neuerdings wurde das Museum um eine Sammlung des Malers Pompeo Mariani (Monza 1857-Bordighera 1927) bereichert. Die Exponate sind jetzt im benachbarten Centro Nino Lamboglia untergebracht. (Vgl. Sie auch die Broschüre “Die Museen des Westlichen Liguriens” I.I.S.L.)

Istituto Internazionale Studi Liguri

Büro,  Mo.-Fr.: 08:30-13:00 Uhr/14:00-17:30 Uhr
Bibliotek, Mo.-Fr.: 09:30-13:00 Uhr/13:30-16:45 Uhr
Geschlossen in der “Ferragosto-Woche” (Feiertage Mitte August, bitte Information zuvor erfragen)
Auf das Foto klicken, um das Centro Nino Lamboglia – neben der Bicknell-Bibliotek – einzusehen.

3B. WANDERWEGE: SASSO UND BORGHETTO


Wenige Kilometer von der Küste entfernt befinden sich die beiden Orte Sasso und Borghetto. Beide sind mit dem öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Diese inmitten Oliven- und Mimosenhainen gelegenen Orte sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Der wohltuende Wirkung der Meeresluft kann an den prachtvollen Palmenhängen von Sasso nachgespürt werden. Die ersten Siedler Bordigheras kamen jedoch aus Borghetto San Nicolò. Diese Siedlungen mit ihren Turmhäusern aus Stein - von den Engländer “rock villages” genannt - haben ihren mittelalterlichen Charakter beibehalten. Ihre Gebäude, Mauern und Gäßchen sind fast ausschließlich aus Stein. Sasso bedeutet “Stein”, der Name verweist wohl auf den Felsbrocken, auf den die Siedlung gebaut worden ist. Der Ort war von einer halbkreisförmigen Stadtmauer umgeben, was die Wehrhaftigkeit der Siedlung mit ihren sich auf engstem Raum aneinander drängenden Häuschen unterstrich. Von Sasso hat man erstmals im 15. Jhd. Notiz genommen. Im Mittelalter gab es wohl mehrere Siedlungen, von denen aber heute keinerlei Spur mehr zu findet ist. Nachgewiesen ist beispielsweise Spelegium, von deren Namen Sapergo abgeleiten worden ist. So heißt einer der Türme von Bordighera (vgl. auf dieser Homepage “Die Türme Mostaccini und Sapergo von Bordighera”). In Borghetto sind die Kirche und das Oratorium der Annunziata aus dem 18. Jh. sehenswert. Hier weilte 794 n. Chr. der aus Piemonte stammende Historiker Carlo Botta, nach dem hier auch eine Straße benannt worden ist. In Sasso gibt es interessante Stuckarbeiten im Presbyterium (Chorraum) der Kirche San Pietro e Paolo und im Gewölbe befinden sind Fresken der beiden Heiligen. Diese Fresken aus dem 18. Jh. sind von Maurizio Carrega. Von Carrega ist auch das schöne Altar-Motiv. Aus dem 18. Jhd. ist das Gemälde der Madonna und den Heiligen. Der Kirchplatz ist im typischen schwarz-weiß Muster gepflastert, das man so oft in Ligurien antrifft. (Aus: “Bordighera e Vallecrosia”, GGallery)

4B. WANDERWEGE: DIE GARNIER VILLEN


Der berühmte französiche Architekt Charles Garnier lebte lange in Bordighera und hat uns einige wunderbare Beispiele seiner Schaffenskraft hinterlassen. Es lohnt sich drei seiner bedeutensten Werke in Bordighera anzusehen: Die hübsche Kirche Terrasanta im Zentrum Bordigheras gelegen könnte Ausgangspunkt eines kleinen “Garnier-Spazierganges” sein. Viele Änderungen haben leider ihr ursprüngliches Aussehen verändert. Wenn man von hier die Via Regina Margherita hoch läuft trifft man auf die schmuckvolle Via Romana mit ihren zahlreichen hochverzierten Villen und deren prächtigen Gärten. Hier liegt die Villa Bischoffsheim, welche historisch mit der Person Königin Margherita verbunden ist. Folgt man nun der Via Romana in Richtung Hafen, trifft der Wanderer auf die `Villa Garnier´ und wird ihre herrliche Lage bestaunen. Weitere Informationen und Hinweise finden sich im Gebäude des heutigen `Municipio´ (Rathaus) und in der Villa Studio. (Luca Moreno)

5B. DAS ROIA TAL


Fährt man von Bordighera Richtung Ventimiglia und nimmt dann die Bundestrasse 20 Richtung Col di Tenda gelangt man nach Airole (13 km von Ventimiglia entfernt). Von dort erreicht man nach 5 km die Siedlung Olivetta San Michele. Die Straße windet sich durch die malerisch wilde Landschaft des Roia Tals bis zu den heute verlassenen Grenzübergängen nach Frankreich (Olivetta und Fanghetto). Die charakteristischen mittelalterlichen Dörfer wecken die Neugier des Geschichts- und Naturinteressierten.

AIROLE hat 540 Einwohner und liegt 149 m über dem Meeresspiegel. Das Dorf entstand im Mittelalter in einer Bucht des Flusses Roia. Es gehörte einst dem gibellinischen Folco Curlo von Ventimiglia (12. Jhd.), danach den Mönchen von Pesio und schließlich ab 1435 der Familie Lascaris von Tenda und Ventimiglia, bis Airole im Jahr 1797 durch die Gründung der Unabhängigen Ligurischen Republik zur autonomen Gemeinde erklärt wurde. Es finden sich noch Ruinen des Schlosses, das Dorf selbst aber ist berühmt für seinen unverkennbar archaischen Charakter. Der Dorfkern ist kreisförmig umbaut, die Straßenlinien folgen konzentrisch diesem Ausgangspunkt. Dank seines Charmes zog der Ort viele Neusiedler aus dem Ausland (vor allem Holländer) an, die viele der zerfallenden Häuser im traditionellen Stil renovierten.

OLIVETTA SAN MICHELE
. Olivetta zählt 300 Einwohner und liegt in 292 Metern Höhe auf einem Hügel auf der westlichen Seite des Baches Bevera, während San Michele entlang der Bundestrasse Col di Tenda angesiedelt ist. Damals gehörten diese Gemeinden dem Fürsten von Ventimiglia und dem Bischof von Grasse. Heute ist Olivetta Hauptgemeinde, die auch die Fraktionen Piene und Libri mit einschließt, allesamt dem französichen Staat angehörend. (Aus: “Guida dell´entroterra ligure” Hersg. vom Istituto Geografico Agostini)

6B. DAS NERVIA TAL


Kurz vor Ventimiglia (4 km von Brodighera) findet sich ein Abzweig nach CAMPOROSSO, DOLCEACQUA, ROCCHETTA NERVINA, ISOLABONA, PIGNA und CASTELVITTORIO. Die Straße folgt dem Tal des Flußes Nervia (der Abzweig - links gelegen - nach Rocchetta Nervina findet sich nach Dolceacqua und vor Isolabona) bis an den Fuß des Massivs Toraggio-Pietravecchia. Die verschiedenen Landschaften zwischen Meer und Berg, die schönen unveränderten Altstädtchen, die vielen kleinen Kunstwerke, die es zu entdecken gibt und die typischen traditionsreichen Feste laden den Besucher Westliguriens ein, in das Nervia Tal einen lohnenswerten Ausflug zu unternehmen.

CAMPOROSSO hat 4500 Einwohner und liegt 25 Meter über dem Meeresspiegel. Camporosso war immer von Ventimiglia abhängig, bis es im Jahr 1686 in die sogenannte “Freie Acht-Dörfer-Republik”  eintrat. Wichtigstes Monument ist die Kirche San Pietro (11. Jhd.). Die rechte Flanke ist noch erhalten, sowie der Glockenturm und die Absis. Die inneren Fresken sind aus dem 15. und 17. Jhd. Das Fest des Stadtheiligen (Sankt Sebastian) ist am 20. Januar. Höhepunkt dieses Festes macht die Prozession aus, bei der ein mit bunten Hostien geschmückter Lorbeerbaum durch den Ort getragen wird. Am dritten Sonntag im September findet die “Sagra dei Barbagiuai” statt – ein Fest, an dem hauptsächlich eine Form kleiner Kürbispfannkuchen ausgegeben werden. Es können aber auch andere interessante Spezialitäten probiert werden, dazu wird der sehr schmackhafte Rossese Wein getrunken.

DOLCEACQUA liegt 51 Meter über dem Meeresspiegel und hat 1900 Einwohner. Der Ort war früher im Besitzt des Fürsten von Ventimiglia, trat aber im 12. Jhd. zum Fürstentum Oberto Doria - dem späteren Sieger der Meerseschlacht zwischen Meloria und Pisa - über. Jahrzehnte lang war die Stadt Opfer der Rivaltät zwischen Welfen (guelfi) und laizistischen Gibellinen (ghibellini) und der Zwistigkeiten zwischen den Grimaldi aus Monaco und den Doria und wurde immer wieder hart umkämpft. Im Jahr 1524 wurde Dolceacqua zum Schutzgebiet der Savoyer und im Jahr 1652 zur Markgrafschaft erklärt, dann 1815 wurde der Ort vom Königreich Sardinien annektiert. Der Dorfkern ist durch den Fluss Nervia geteilt und eine elegante, fast schwebend erscheinende mittelalterliche Brücke verbindet die beiden Stadtteile. Die Brücke - steil nach oben gebogen - besteht aus einem einzigen 33 Meter breiten Brückenbogen. Die Brücke, das Schloss und die umliegenden zwei Stadtteile sind ein Markenzeichen des mittelalterlichen Liguriens. Heute beleben Handwerksstuben und Künstlerateliers die alten Gassen, die zum Schloss hinauf führen. Der Bau des Schlosses wurde im 12. Jhd. begonnen, dann im 15. Jhd. und später erweitert. Seit der Zerstörung im Jahr 1745 gleicht das Schloss einer Ruine. Heute sind die zwei rechteckigen Türme und die kreisförmige Mauer übriggeblieben. Nachdem die Fürstenfamilie der Doria im Jahr 1902 keinen Erben mehr stellen konnten, ging das Schloss in den Besitz der Gemeinde von Dolceacqua über, die den Wunsch hat, es schrittweise zu restaurieren und in ein multifunktionelles Kulturzentrum für das westliche Ligurien zu verwandeln. Bereits jetzt finden hier zahlreiche Veranstaltungen wie Openair-Konzerte im Sommer oder Freilicht-Theater statt. Es werden regelmäßig Führungen in verschiedenen Sprachen angeboten.

ROCCHETTA NERVINA
hat 280 Einwohner und liegt 225 Meter über dem Meeresspiegel. Die Fürsten von Ventimiglia nannten die sehr alte und wehrhaft angelegte Siedlung im Jahr 1186 “Castrum Barbairae”, was bedeutet: genäßt durch den Fluß Barbaira. Im Jahr 1365 wurde der Ort völlig von den Doria aus Dolceacqua zerstört und trat 1388 zu den Savoyer über. Zusammen mit dem Fürsten des Schlosses von Monte Abellio - welcher die Verbindungstraße zum Roia Tal kontrollierte – schloss sich Rocchetta Nervina 1559 wieder den Doria von Dolceacqua an und blieb ihnen bis zu deren Niedergang verbunden. Rocchetta verfügt über eine interessante Verteidigungsanlage und ist mit der Verbindungsstraße ausschließlich über zwei gut zu verteidigende schmalste mittelalterliche Brücken verbunden. Der Ort selbst drängt sich wie ein Westpennest an einen schwer zu erreichenden Abhang. Die aus dem 16. Jhd. stammende Kirche Santo Stefano wurde im Barockstil renoviert.

ISOLABONA hat 630 Einwohner und liegt 106 Meter über dem Meeresspiegel. Die Siedlung wurde an den Zufluß des Baches Merdanzo in den Roia gebaut. Die Stadt gehörte den Doria, die im 14. Jhd. das Schloss von Isolabona erbauten, von dem nur noch ein Ruine und ein Teil des rechteckigen Turms übrigblieb. Zum Stadtkern gelangt man durch das Südtor. Die Gasse durchquert das Dorf und trifft auf zwei Plätze, auf denen sich die Kirche Santa Maria Maddalena und das barocke Oratorium befinden. Im Kern des Ortes befindet sich ein achteckiger Brunnen, der auf das Jahr 1486 zurückgeht. Im benachbarten Friedhof erinnert die romanischen Kapelle (Santa Maria) an den ursprünglichen Standort der frühen Siedlung. In Isolabona werden Ölivenöl und der lokale Rossese Wein produziert.

PIGNA hat 1150 Einwohner und liegt 281 Meter über dem Meeresspiegel. Die mittelalterliche Siedlung im tiefen hinteren Teil des Nervia Tals gelegen, besteht aus einem alten Stadtkern, der wie so oft in diesem Teil Liguriens an die steilen Hänge der Voralpenhügel gebaut wurde und einem moderneren Teil, im niederen Tal. Im Jahr 1262 wurde Pigna von den Fürstentümern von Angiò und der Provence abhängig, nachdem es erst dem Fürsten Ventimiglias angehörte. Später unterstand Pigna zeitweise Nizza, dann wechselte die Gemeinde zu den Savoyer im Jahr 1388 über. Nach dem 17. Jhd. wurde sie von Genua annektiert, bis sie 1633 wieder den Savoyer angeschlossen wurde. Am 18. September 1944 erklärte sich der Ort zur “Freien Republik Pigna”. In Pigna kann man einige Werke des Canavesio bewundern. Der sehr gut erhaltene ursprüngliche Stadtkern besteht aus schmalen dunklen Gassen, die von den hochgebauten Häuser beherrscht werden. Außerhalb des Ortes findet sich eine sehr moderne, erst kürzlich erweiterte Termalbadanlage, deren Schwimmbäder und Kuranlagen sich aus einem Hypothermal Schwefelwasserzulauf aus dem See Pigo speist. Pigna ist übrigens der Geburtsort des Archeologen Carlo Fea (1753-1836).

CASTELVITTORIO hat 520 Einwohner und liegt 420 Meter über dem Meeresspiegel und ist eine mittelalterliche Siedlung des Nervia Tals. Dieses Dorf stellt ein hervorragendes Beispiel für die typische Bauweise der ligurischen Hochlage-Siedlungen dar. Es dominiert von oben den Talzugang, was immer zugleich Schutz und gute Beobachtungsposition bedeutete. Ursprünglich Castel Dho (1227) genannt, verwandelte sich die Bezeichnung in Castelfranco bis ins Jahr 1862. Die Siedlung unterlag den Fürsten von Ventimiglia und ging im Jahr 1261 zu Genua unter der Obhut Trioras über. Castelvittorio ist von unzähligen Olivenhainen und Kastanienwäldern umgeben, in denen sich viele kleinen Landkapellen entdecken lassen. (Aus: “Guida dell´entroterra ligure” Hrsg. vom Istituto Geografico Agostini)

7B DAS CROSIA TAL


Wenn man auf der sogenannten “Romana Vecchia”  in Richtung Ventimiglia fährt, trifft man auf den Abzweig nach SAN BIAGIO DELLA CIMA, SOLDANO, PERINALDO und APRICALE. Die typisch sich windend hocharbeitende Straße führt zuerst durch Weinberge, Olivenhaine und die Rosenanbaugebiete des Crosia Tals, um dann den Berg nach Perinaldo hinaufzusteigen. Läßt man den Ort hinter sich, geht es weiter über Apricale nach BAIARDO und CERIANA kann.

SAN BIAGIO DELLA CIMA hat 900 Einwohner und liegt 100 Meter über dem Meeresspiegel. Die Siedlung (`della Cima´  bedeutet `von der Spitze´) wurde nach dem über ihr ragenden Felsprung Santa Croce genannt. Sie gehörte bis 1686 zu Ventimiglia, trat dann der “Freien Acht-Dörfer-Republik” bei. Wichtigstes Monument ist die Kirche Santo Sebastiano e Fabiano mit ihrer eliptischen Form aus dem Jahr 1777.  Darin befindet sich eine hölzerne Statue von San Sebastiano von Maragliano. In San Biagio della Cima werden die Weine Rossese und Vermentino produziert.

SOLDANO hat 660 Einwohner und liegt 77 Meter über dem Meeresspiegel. Die Siedlung gehörte bis 1686 Ventimiglia an. Eine Burg nutzte der Verteidigung. In der Kirche des Hl. Johannes des Täufers befindet sich ein schönes Gemälde von Andrea della Cella. Das Oratorium - am Hauptplatz angelegt - ist aus dem 16. Jhd. Auch in Soldano werden der renomierte Rossese Wein und auch der Vermentino Wein produziert. Wie San Biagio della Cima schloss sich auch Soldano, um endlich die Unabhängigkeit zu erlangen, der sogenannten “Freien Acht-Dörfer-Republik” an.

PERINALDO zählt 500 Einwohner und liegt 273 Meter über dem Meeresspiegel. Die Siedlung ist atemberaubend schön auf einem das Tal abschließenden Bergkamm entlang gelegen, so dass man zugleich auf der einen Seite weit in das Hinterland und auf der anderen gegen das Meer blicken kann. Sie gehörte dem Fürsten Rinaldo von Ventimiglia, welcher ihr den Namen im 11. Jhd. gab und wurde von den Einwohnern zweier zerstörter Dörfer (Vincidelo und Inconedelo) gegründet. Später gehörte sie Genua (ab 1230), dann dem Fürstentum Oberto Doria von Dolceacqua (ab 1288) und zuletzt dem der Savoyer an. Die Genuaner zerstörten Perinaldo im Jahr 1672 . Der Ort ist Geburtsstadt des Astronoms Gian Domenico Cassini (1625-1712), der bereits mit 25 Jahren ordentlicher Professor der Astronomie war und die Meridian-Uhr vom Sankt Petrus Dom in Bologna entwarf. Dort lebte und arbeitet er über 20 Jahre und machte seine fundamentalen Entdeckungen über die Planeten und unser Sonnensystem. 1669 wurde er an den Hof König Ludwig XIV gerufen, um das Königliche Astronomische Observatorium zu leiten. Des weiteren wurde in Perinaldo der Kartograf und Gelehrte des Hauses Savoyer Tommaso Borgogno (1620-1695) geboren. An den Hängen Perinaldos finden sich viele Olivenhaine, Weingärten, Mimosen- und Rosenzuchten. Hier wird hauptsächlich der Rossese Wein hergestellt. Kurz vor Perinaldo führt eine Straße (etwa 6,3 km) nach Apricale.

APRICALE hat 500 Einwohner und liegt 273 Meter über dem Meeresspiegel. Es handelt sich um eine typische mittelalterliche Siedlung des Merdanzo Tals, letzteres ist benannt nach dem Nebenfluss des Nerviaflusses. Der Ort verfügt über einen außergewöhnlichen Ausblick. Nachgewiesen seit dem Jahr 1016 kann Apricale eine der ältesten Stadtordnungen (1267) Liguriens aufweisen. Zuerst dem Fürstentum von Dolceacqua angehörig, unterlag der Ort dann den Fürsten von Ventimiglia und wurde schließlich an die Familie Doria verkauft. Im Jahr 1523 wurde er komplett von den Grimaldi aus Monaco zerstört, die danach hier regierten. Heute sind nur noch Teile der alten mitteralterlichen Stadtmauer zu sehen. Apricale ist vielleicht einer der bezauberndsten Orte Liguriens. (Aus: “Guida dell´entroterra ligure” Hrsg. vom Istituto Geografico Agostini).

8B DIE TÄLER UM BORDIGHERA

(Das Hinterland von Bordighera)

Von Bordighera erreicht man über die Via Romana einen Kreisverkehr mit dem Abzweig nach Borghetto San Nicoló und Vallebona. Nimmt man aber vor dem Kreisverkehr die letzte rechts steil ansteigende Straße - die Via Coggiola - wird man die Autobahnauffahrt links liegen lassend zuerst Sasso und dann auf einer lang sich schlängelnden Staße das `Fürstentum´ Seborga erreichen. Dies ist ein sich lohnender Ausflug in die ligurische Hügellandschaft, die mit ihren Olivenhainen und unzähligen Terrassenanbauten bezaubert, aber doch immer wieder den Blick zurück zum Meer gestattet. Kurz nach Borghetto San Nicolò – aus dem die 32 Gründer-Familien Bordigheras stammen – erreicht man:

VALLEBONA hat 800 Einwohner und liegt 149 Meter über dem Meeresspiegel. Die Siedlung befreite sich 1686 aus der Abhängigkeit von Ventimiglia indem sie der “Freien Acht-Dörfer-Republik” beitrat. Das Dorf Vallebona hat seinen mittelalterlichen Charakter behalten: Durch einen kleinen Torbogen gelangt man durch schattige Gassen zu einem hübschen Kirchplatz. Die Kirche San Lorenzo wurde 1478 auf Reste der alten Kirche aufgebaut. Von dieser älteren Kirche aus dem 13. Jhd. ist der Glockenturm geblieben. Das Portal aus Schiefer ist aus dem Jahr 1478. Jedes fünftes Jahr findet am Hl. Karfreitag eine sakrale Darstellung mit der Verlesung von Texten aus dem 17. Jhd. statt. In Vallebona werden zahlreiche Blumen gezüchtet, aber auch der Rossese Wein, Olivenöl und Orangenblüten für die Gewinnung von Essenzen werden hier hergestellt bzw. kultiviert; (letztere war ursprünglich eine wichtige Einkommensquelle für das gesamte Tal).

SEBORGA hat 320 Einwohner und liegt 517 Meter über dem Meeresspiegel. Seborga wurde zu Siedlungsbeginn bereits als eine wehrhafte Burgsiedlung angelegt. Der Ort ging dann durch eine Schenkung im Jahr 959 an den Benediktinerorden von Lerino über, der dort eine Münzerei einrichtete. Der Orden verkaufte den Ort 1729 an die Savoyer. Der Abt zeichnete sich selbst mit dem Titel des Fürsten aus, so dass der Siedlung zeitweise die Bezeichnung `Fürstentum von Seborga´ verliehen wurde, welche bis heute nicht zuletzt von den Bewohnern selbst gern verwendet wird. Vittorio Amedeo von Savoyer kaufte Seborga im Jahr 1729, nachdem König Ludwig XIV der Abtei das Münzrecht verwehrte und die Münzerei verbot. Seborga verfügt über eine herausragende Position mit entsprechender Sicht. Die Reste der Abtei, wegen ihrer palastartigen Großzügigkeit als Schloss bezeichnet, die Münzstraße und das “Münztor” – “la Porta della zecca” – können noch heute in der Nähe der ehemaligen Münzerei besichtigt werden. In der Kirche San Martino befinden sich eine hölzerne Statue aus dem 17. Jhd. spanischer Herkunft und ein silberner Graal aus dem Jahr 1575.
 (Aus: “Guida dell´entroterra ligure” Hrsg. vom Istituto Geografico Agostini)